Gut verpackt – so kommen Tomaten hinter Gitter

    Gartenbau Draek, einer der größten Tomatenproduzenten vom Niederrhein, vermarktet seit Mai 2019 Snack-Tomaten in einer neuen, ressourcenschonenden Verpackung. Die innovative Gitterstruktur des Tomateneimers spart Kunststoff ein und sorgt für eine gute Belüftung der Tomaten. Der Eimer ist maschinengängig, kann problemlos recycelt werden und hat eine hochwertige Optik.

     

    Der Kunststoffhersteller Pöppelmann Famac® hat den Eimer gemeinsam mit MERULIN Gartenbauservice und Gartenbau Draek entwickelt. Mittlerweile hat Pöppelmann den Gittereimer unter der Bezeichnung Reduce+Serie in das Produktprogramm aufgenommen.

     

    Wie entsteht eine auf einen Gartenbaubetrieb zugeschnittene Verpackung? Das Unternehmen MERULIN Gartenbauservice und Matthias Draek von Gartenbau Draek im Gespräch über die Geschichte des Gittereimers.

    Stephanie van Cleef (MERULIN):

    Wir waren schon länger auf der Suche nach einem speziellen Eimer für Snack-Tomaten. Unser Kunde Matthias Draek ist der einzige Tomatengärtner in Deutschland, der Cocktailtomaten in 400 g Eimer packt. Herr Draek war mit dem bisherigen Tomateneimer unzufrieden.

     

    Matthias Draek (Gartenbau Draek):

    Wir wollten eine Verpackung, die nachhaltiger ist und wünschten uns eine bessere Belüftung, um die Haltbarkeit der Tomaten zu verbessern. Außerdem konnte man sich auf den Hersteller unserer bisherigen Eimer nicht hundertprozentig verlassen. Ich meine, das wäre doch das Worst-Case-Szenario: Man steht in der Hochsaison an Tag X da und kann die Ware nicht packen, weil die Eimer noch nicht produziert sind.

     

    Stephanie van Cleef (MERULIN):

    Bis dato gab es keinen Tomateneimer auf dem Markt, der allen gestellten Anforderungen gerecht wurde. Als wir 2016 die FachPack besuchten, die Europäischen Fachmesse für Verpackungen, waren wir auch auf dem Messestand von Pöppelmann Famac®. Famac® hatte die Idee, durch eine Gitterstruktur bei Verpackungen Kunststoff einzusparen. Sie stellten uns auf der Messe ein schalenförmiges Gitterkörbchen vor und fragten uns, ob das Schälchen als Verpackung für den Gemüsebau interessant sei. Und wir hatten zu dem Zeitpunkt ja das Problem mit den Tomateneimern im Hinterkopf.

     

    Peter Doost (MERULIN):

    Aus dem Gartenbau kannten wir außerdem die Gittertöpfe für Wasserpflanzen von Pöppelmann. Warum also keinen Gittereimer für Tomaten produzieren? Pöppelmann Famac® hat die Idee direkt aufgenommen und angefangen den Gittereimer zu entwerfen. Es wurde dann zunächst eine Visualisierung des Tomateneimers am Computer erstellt und mit den Bildern sind wir zu Matthias Draek gegangen und haben ihm die Idee vorgestellt.

     

    Matthias Draek (Gartenbau Draek):

    Die Idee sah gut aus, daher habe ich gesagt, wir können das Projekt auf jeden Fall erstmal weiterentwickeln.

     

    Stephanie van Cleef (MERULIN):

    Die Visualisierung war erst der Anfang. Es fehlten noch sehr viele Details. So ein Eimer erfordert mehr Knowhow, als man auf den ersten Blick sieht. Der ganze Prozess lief über zweieinhalb Jahre. Das Fachwissen von uns und Matthias Draek ist während der weiteren Entwicklung ständig in das Projekt mit eingeflossen.

    Uns war zum Beispiel von vorneherein klar, dass der Henkel oben aufliegen muss, sonst kann Gartenbau Draek den Eimer nicht in der Abfüllanlage verwenden. Es wurde dann oben eine Nase angebracht, so dass der Henkel an einer Seite oben aufliegt und an der anderen Seite hängt er für den Endverbrauchern herunter. Dann kann der Verbraucher den Eimer gut nehmen und in seinen Einkaufswagen setzen.

     

    Peter Doost (MERULIN):

    Weitere wichtige Punkte waren die nötige Stabilität, damit der Deckel maschinell befestigt werden kann und eine hochwertige Bedruckung. Pöppelmann Famac® hatte zusätzlich noch die Idee, den bei Tomateneimern üblichen Kunststoffdeckel durch einen Pappdeckel zu ersetzen. Das war in dieser Form neu auf dem Markt und es macht bei der Ressourcenschonung sehr viel aus. Letzten Endes braucht man nicht nur die Gitterstruktur, sondern auch den Pappdeckel, wenn man den Kunststoffanteil um bis zu 30 % zu reduzieren will.

     

    Stephanie van Cleef (MERULIN):

    Die Entwicklung des Eimers war schließlich so weit vorangeschritten, dass Pöppelmann Famac® Muster in einem 3D-Drucker anfertigen konnte. Diese Prototypen waren sehr detailgetreu. Wir konnten damit zum Beispiel sehr gut die Füllhöhe des Eimers bei einer Menge von 400 g Tomaten testen und ausprobieren, ob die Eimer auch gut in die Umverpackung passen. Und es war Gartenbau Draek möglich, den Kunden etwas Handfestes zeigen zu können.

     

    Matthias Draek (Gartenbau Draek):

    Als die Mustereimer gekommen sind, habe ich sie zuerst meiner Vermarktungsorganisation Landgard vorgestellt. Das Projekt kam sehr gut an. Die Landgard ist sehr aktiv im Bereich Nachhaltigkeit und da war die Idee für eine ressourcenschonende Verpackung natürlich sofort willkommen. Im zweiten Schritt wurde der Eimer dem LEH vorgestellt und die meisten Kunden waren direkt begeistert. In der Öffentlichkeit wird Nachhaltigkeit ja zu einem immer größeren Thema und der Eimer passt einfach perfekt zu dem Trend.

     

    Stephanie van Cleef (MERULIN):

    Die positive Resonanz der Kunden gab den Startschuss für die Produktion des Gittereimers. Hierzu wurde ein Werkzeug hergestellt, um den Gittereimer im sogenannten Spritzgussverfahren herstellen zu können. Der Bau des Werkzeuges verursachte erhebliche Kosten. Wir hatten deswegen aber keine Bedenken, da wir sicher waren, dass der Gittereimer ein ausgereiftes und gutes Produkt ist. Die Bedruckung des Eimers erfolgt im In-Mould-Labeling-Verfahren.  Das Besondere daran ist, dass das Etikett und der Eimer aus dem gleichen Basiswerkstoff bestehen und untrennbar miteinander verbunden werden. Die Optik wirkt sehr hochwertig und das Recycling ist durch die Einstoffverpackung problemlos möglich. Die Pappdeckel aus Frischfaserkarton werden separat produziert und lassen sich vollflächig bedrucken.

     

    Matthias Draek (Gartenbau Draek):

    Ab Mai 2019 konnten wir schließlich anfangen, unsere Snack-Tomaten in die neuen Gittereimer zu packen. Der Pappdeckel hat unserer Verpackungsanlage dabei ein paar Schwierigkeiten bereitet, da unsere Maschine für Kunststoffdeckel ausgelegt ist, die natürlich eine andere Form haben. Dafür musste noch eine neue Maschine angeschafft werden. Aber mir war von vorneherein klar, dass das nicht im ersten Schritt 100% rund läuft.

     

    Ansonsten war bisher alles perfekt, wir haben zum Beispiel keine Probleme mit der pünktlichen Anlieferung der Tomateneimer zu uns. Da wir je nach Kunden verschieden bedruckte Eimer benötigen und es durch verschobene Werbungen im LEH auch immer wieder zu großen Mengenverschiebungen bei uns kommt, muss Pöppelmann in der Lage sein, die Eimer innerhalb von zwei Wochen zu produzieren.

     

    Peter Doost (MERULIN):

    MERULIN und Pöppelmann haben zur Sicherheit noch mehrere Paletten mit verschiedenen Druckbildern auf Lager, um kurze Verzögerungen bei der Herstellung der Eimer ausgleichen zu können.

     

    Matthias Draek (Gartenbau Draek):

    Der Eimer ist auch von den Endverbrauchern gut angenommen worden. Ich habe schon gehört, dass Kunden den Tomateneimer nur genommen haben, weil weniger Kunststoff enthalten ist. Das Produkt ist gut, die Verpackung ist gut und ich denke der Grundgedanke der Ressourcenschonung kommt bei dem Verbraucher an, auch wenn in dieser Richtung keine Werbung für den Eimer gemacht wird.

     

    Stephanie van Cleef (MERULIN):

    Dafür spricht auch, dass der Gittereimer im Jahr 2019 den Sonderpreis für die „Höfliche Verpackung“ vom Meyer-Hentschel-Institut in Saarbrücken erhalten hat, ohne dass der Eimer dafür angemeldet wurde. Diese Auszeichnung wird für Verpackungen vergeben, die „höflich“ zum enthaltenen Produkt, „höflich“ zur Umwelt und „höflich“ zu den Verbrauchern sind.

     

    Der Eimer bietet einfach ein stimmiges Gesamtpaket. Und wir gehen davon aus, dass die Gitterstruktur in den nächsten Jahren auch in anderen Kulturen zum Einsatz kommen wird. Interessant ist die Gitterstruktur zum Beispiel auch für die Vermarktung von Heidelbeeren. Grundsätzlich bleibt es spannend, wohin sich der Markt für Verpackungen langfristig entwickelt.

     

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    Stephanie van Cleef
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